Radsportler erfüllen Städtepartnerschaft mit Leben

RSV-Radfernfahrt führte in die Kurpfalz nach Schwetzingen

Schrobenhausen (ose): Eine gehörige Portion Leben hat der Radsportverein Schrobenhausen der noch jungen Städtepartnerschaft zwischen der Lenbachbachstadt an Paar und dem ebenfalls als Hochburg des Spargelanbaues bekannten, in Nordbaden gelegenen Schwetzingen eingeflößt. Und das mit vollem körperlichen Einsatz über fünf beziehungsweise drei Tage. Für die in den letzten Jahren Tradition gewordene große sommerliche Radfernfahrt wurde von den RSVVerantwortlichen heuer nämlich die Kurpfälzische Partnerstadt, einst prunkvolle Sommerresidenz von Kurfürst Carl Theodor, als Ziel ausgewählt. Der Hinweg, 285 Kilometer und 2210 Höhenmeter, wie auch der Rückweg, 315 Kilometer und 2370 Höhenmeter, wurden mit dem Rennrad zurückgelegt.

Sowohl was die Planung des Streckenverlaufs anbelangt wie auch im Bezug auf die erforderlichen Hotelbuchungen und notwendigen Restaurantreservierungen für die vorgesehenen Mittagspausen akribisch vorbereitet wurde die fünftägige Tour im Vorfeld in gewohnt gekonnter Manier vom ehemaligen Vorsitzenden Jürgen Weiland, der wegen schwerwiegenden gesundheitlichen Gründen persönlich leider an der Teilnahme verhindert war. Mit einem Schmunzeln auf den Lippen konnte Franz Kistler, derzeitiger RSV-Vereinschef, daher feststellen, dass er bei dem ganzen Projekt eigentlich nur als das ausführende Organ zu sehen sei. Ganz so war es natürlich nicht. Spätestens beim großen Empfang durch Oberbürgermeisterstellvertreter Hans-Peter Müller im Palais Hirsch, direkt am Schwetzinger Schlossplatz gelegen, hat Kistler seinen Verein wie auch seine Heimatstadt bravourös in Szene setzen können. Als Präsent für den Vertreter der Stadt Schwetzingen hatte er ein Werk aus der Schrobenhausener Bildhauerwerkstatt von Richard Gruber im Gepäck. Für den Vorsitzenden des Radportvereins Kurpfalz Jürgen Keller gab es neben ausnahmslos lobenden Worten eine Fahrradkarte und einen Schrobenhausener Reiseführer. Dazu auch noch eine Einladung zu einem Gegenbesuch, die dankend angenommen wurde. Der rührige Vereinschef war es auch, der vorab die Kontakte ins Schwetzinger Rathaus und zu dem ortsansässigen Radsportverein Kurpfalz hergestellt hatte. Wie sich im Verlauf des Besuchs herauskristallisierte ein Volltreffer in jeder Hinsicht. Die Vereinsstruktur im Bezug auf Anzahl und Durchschnittsalter der Mitglieder wie auch bezogen auf die sportlichen und gesellschaftlichen Vereinsaktivitäten ähnelt der gastgebende Verein dem der Gäste aus Schrobenhausen beinahe wie ein Ei dem anderen.
Los ging die Reise am vergangenen Samstag in den frühen Morgenstunden kurz nach sieben Uhr am Schrobenhausener Busbahnhof. Bei leichtem Nebel und starkem Gegenwind machten sich 28 aktive Radler, darunter sieben Damen - ein Anteil von stolzen 25 Prozent -, auf den Weg zu vier sonnigen, von geselligem Miteinander und Sportsgeist geprägten Fahrradtagen. Ergänzt wurde die Truppe von einer weiteren Dame. Ilse Kramschuster übernahm als Fahrerin des Begleitfahrzeuges den Gepäcktransport und kümmerte sich an den einzelnen Etappenorten um die Zimmerverteilung.
Gefahren wurden Hin- und Rückweg jeweils in zwei Tagesetappen aufgeteilt in zwei Leistungsgruppen. Die schnellere angeführt von Hans Bichler und Stanislaus Gamperl, die etwas langsamere geführt von Hermann Büchl und Klaus Horst. Damit alle zur gleichen Zeit an den vorab gebuchten Mittagseinkehrlokalen eingetroffen sind, legten die Schnelleren vormittags eine zusätzliche Kaffeepause ein. Mit Zwischenstation in Bopfingen mussten am ersten Radtag auf dem Weg nach Schwäbisch Hall, dort war die erste Übernachtung eingeplant, 162 Kilometer bewältigt werden. Bereits der erste Etappenort begeisterte mit seinem besonderen Flair der historischen Altstadt.
Am Sonntag ging es bei einem Tagespensum von lediglich 116 Kilometern zunächst das Kochertal entlang bis Bad Friedrichshall. Dort wurde der Neckar überquert. Mittagspause dann in Steinsfurt nahe Sinsheim.
Wie geplant, jedoch schon gut eine Stunde vor der angepeilten Zeit sind in Steinsfurt auch die fünf Radsportler, die die Strecke Schrobenhausen – Schwetzingen wie angekündigt auf dem Hinweg wie auch auf der Rückfahrt in einem Stück bewältigt haben, angekommen. Die RSV-ler Michael Freundl (Weilach), Andreas Babl (Ehekirchen) und Oskar Seidel (Lichtenau) starteten ihre erneute “Reise im Schnelldurchgang“ zusammen mit den beiden Karlshuldern Anton Karmann und Wilhelm Lehmeier einen Tag nach dem Hauptfeld am ganz frühen Sonntagmorgen um 4:15 Uhr. Mit einem Stundenmittel von 29 Kilometern pro Stunde hatten die fünf, eine kurze Pause eingeschlossen, nach neun Stunden auf das Peloton aufgeschlossen. Unterstützt wurde das schnelle Quintett von Ulricke Freundl als Fahrerin des Begleitfahrzeuges für die fliegende Verpflegung auf der Strecke.

Angeführt von Jürgen Keller, dem Vereinschef des RSV-Kurpfalz, wurden die vereinte Schrobenhausener Truppe, jetzt insgesamt 33 Fahrer, in Steinsfurt von einem zwölfköpfigen Empfangskomitee der Schwetzinger Radsportfreunde bereits erwartet. Im geschlossenen Verband mit 45 Fahrern - für Freunde des Radsports ein wahrlich imposantes Bild, auf viele Autofahrer dagegen anscheinend wie ein rotes Tuch wirkend - wurden anschließend die letzten 40 Kilometer in Angriff genommen. Auf der innerstädtischen Prachtpromenade ging es am Ende direkt auf den Schlossplatz vor das Palais Hirsch, wo OB-Vertreter Müller die Radsportler mit kühlen Getränken und Laugengebäck hoch erfreut in Empfang nahm.
Buchstäblich ins Wasser gefallen ist das Montagsprogramm am dritten Reisetag. Während die vorgesehene Stadtführung am Vormittag trotz anhaltendem Dauerregen durchgezogen werden konnte, musste die gemeinsame Radausfahrt am Nachmittag nach Speyer abgesagt werden.
Alternativ gab's Kultur pur. Auf Einladung der Stadt Schwetzingen wurde von den Gastgebern kurzerhand eine große Schlossführung mit anschließendem Rundgang auf Carl Theodors Spuren durch den prächtigen, Versailles nachempfundenen Schlosspark organisiert. Dazu mussten zuvor allerdings Jacke und Regenschirm aus dem Reisegepäck hervorgekramt werden.
Dienstag Reisetag vier. Für das Gros der Gruppe erster Rückreisetag. Für die fünf Nonstop-Fahrer - erst Reisetag drei - stand bereits die Rückfahrt, erneut in einem Rutsch, auf dem Programmzettel. Mit einer Fahrzeit von knapp unter elf Stunden und einem erneuten Stundenmittel von 29 Kilometern pro Stunde wurde die Heimat von den Fünfen noch vor 19:00 Uhr erreicht. “Wir sehen uns im nächsten Jahr in Schrobenhausen“, das waren die abschließenden Worte von Jürgen Keller bei der Verabschiedung auf dem Schlossplatz. Danach wurde von den übrigen Teilnehmern als Tagesetappenort das 155 Kilometer entfernte Schwäbisch Gmünd angesteuert. Einen Zwischenstopp mit Mittagspause gab es davor in Marbach, Friedrich von Schillers Geburtsort.
Am Mittwoch, dem Feiertag Maria Himmelfahrt, führte das letzte Teilstück von 140 Kilometern über die europäische Wasserscheide zwischen Rhein und Donau bei Lauterburg und weiter über Heidenheim an der Brenz, Dillingen und Wertingen zurück nach Schrobenhausen. Richtig voll wurde es dabei allerdings noch einmal im in der drängenden Not zum Besenwagen umfunktionierten Begleitfahrzeug von Ilse Kramschuster. Montezumas Rache war voll zum Tragen gekommen. Böse Zungen munkeln allerdings, dass eventuell das letzte Bier vom Vorabend schlecht gewesen sein könnte. Ansonsten ist die Fahrt unfallfrei und mit nur einer einzigen Reifenpanne verlaufen. Am Ende von allen Beteiligten unisono als eine in allen Belangen rundum gelungene Radreise in den höchsten Tönen gelobt. Die Städtepartnerschaft Schwetzingen – Schrobenhausen wurde in vollen Zügen gelebt und wird sich ganz sicher auch in Zukunft weiter positiv entwickeln.